TYPO3 vs. Joomla: CMS im sportlichen Vergleich

Christian
Christian
Teilen:
  • facebook share icon
  • twitter share icon

Immer wieder erleben wir in Gesprächen die Frage nach der Wahl des geeigneten Content Management Systems für ein Projekt. Diese Frage war die Inspiration für unsere Artikelserie in der wir verschiedene Content Management Systeme (sportlich) miteinander vergleichen wollen. Unser Start: TYPO3 vs. Joomla.

Wir werden oft angesprochen, ob wir nur TYPO3 verwenden oder auch mit anderen Systemen arbeiten. Unsere Antwort hierauf ist meist ein Jein gepaart mit einer Gegenfrage. TYPO3 ist unser Spezialgebiet und somit unser Liebling. Grundsätzlich arbeiten wir aber auch mit anderen Content Management Systemen, doch sind diese eigentlich die richtige Wahl für Ihr Projekt und dessen weitere Entwicklung?

Um diese Frage seriös beantworten zu können, ist ein detailliertes Beratungsgespräch natürlich unabdingbar. Aber gerne möchten wir Ihnen in unserer Artikelserie die verschiedenen Content Management Systeme im Vergleich vorstellen. So können Sie sich bereits ein erstes Bild machen.

TYPO3 vs. Joomla? Aber was ist ein Content Management System (CMS) eigentlich?

Sicher wissen die meisten unserer Leser bereits, was es mit einem Content Management System (CMS) auf sich hat, aber für all diejenigen, die es nicht wissen, wollen wir es nochmal kurz erklären:

Ein CMS ist eine Software mit der die Pflege von Inhalten, also Content, durchgeführt werden kann. Hierbei benötigt der Autor in der Regel wenig bis gar keine Programmierkenntnisse, um verschiedenste Medienformen, meist jedoch Websites, mit Leben zu füllen. Das Besondere an einem CMS ist, dass die Inhalte und das Design voneinander getrennt gespeichert werden. So können Anpassungen im Design, bspw. die Anpassung einer Schriftart, oder strukturelle Änderungen global eingestellt werden und wirken unmittelbar auf alle Inhalte.

Wie immer im Leben gibt es mehrere Alternativen, aus denen man die passende auswählen muss.

Die erste Frage: Open Source-Lösung oder proprietäres System?

Wenn wir auf diese Frage eine Empfehlung aussprechen sollen, dann lautet die Antwort grundsätzlich: Open Source-Lösung. Wir sind Mitglied der TYPO3-Association und haben uns die Weiterentwicklung des CMS auf die Fahne geschrieben. Daher unterstützen wir die Association hierbei sowohl durch Know-how, als auch durch finanzielle Ressourcen. Doch warum setzen wir auf Open Source-Lösungen?

Open Source bedeutet, dass der Quellcode frei einsehbar und veränderbar ist. Erst hierdurch ist der Aufbau einer stetig wachsenden, leistungsstarken Community möglich gewesen, in der alle an der Weiterentwicklung mitwirken können. Im Gegensatz zu einer proprietären Lösung die durch ein bestimmtes Unternehmen vertrieben und verwaltet wird.

Hier ist man in mehrerer Hinsicht “ausgeliefert”. Einfache Erweiterungen zur Anpassung an den persönlichen Bedarf sind nicht ohne weiteres möglich, da die Entwicklung, sofern sie überhaupt stattfindet, zentral für viele erfolgt. Als Nutzer muss man sich also an ein bestehendes System anpassen. Wir finden, es sollte anders herum sein. Hinzu kommen in der Regel hohe Lizenzkosten für die Nutzung der Software, welche bei Open Source-Lösungen gänzlich entfallen. Und schlussendlich: was passiert, wenn ein Unternehmen plötzlich den Markt verlässt und niemand mehr da ist, der Ihnen helfen kann und an Ihre Daten kommt? Dies kann bei einer großen Community und einem generell möglichen Zugriff auf den Quellcode nicht passieren. Open Source ist also zukunftssicher.

Welche Open Source CMS wollen wir vergleichen?

Doch genug der einleitenden Worte für diesen ersten Artikel unserer Serie. Kommen wir also langsam zum Eingemachten. Auch bei den Open Source-CMS gibt es natürlich verschiedene Systeme und alle können/wollen wir auch nicht miteinander vergleichen. In unserer Serie wollen wir unser Steckenpferd TYPO3 mit den CMS Joomla, WordPress, Drupal und Contao vergleichen. Shopsysteme, wie Magento o.ä. lassen wir hierbei außen vor. Fangen wir also mit unserem Vergleich TYPO3 vs. Joomla an.

TYPO3

TYPO3 ist ein auf der Scriptsprache PHP basierendes Framework. Es wurde durch Kaspar Skårhøj zufällig begründet, als er durch einen Tippfehler einen Teil seiner Arbeit verlor. Im Jahre 2001 wurde die erste Version offiziell veröffentlicht. Die TYPO3-Association schätzt, dass inzwischen weltweit mehr als 500.000 Installationen existieren. In Deutschland nimmt TYPO3 mit einem Marktanteil von knapp 14% den zweiten Platz hinter WordPress ein. Innerhalb der aktiven Community wird die Sicherheit und die Weiterentwicklung von TYPO3 kontinuierlich vorangetrieben. Um auch nach außen hin entsprechende Erfahrung im Umgang mit dem CMS kenntlich zu machen, vergibt die TYPO3-Association seit 2008 zudem verschiedene Zertifikate. Im April 2017 wurde die neueste Version TYPO3 8.7 LTS veröffentlicht.

Joomla

Joomla basiert ebenfalls auf PHP und entstand aus dem Open Source-Projekt Mambo, nachdem die Kern-Entwickler in Folge von Streitigkeiten das Projekt verließen, um ein eigenes CMS zu entwickeln. Während die erste Version aus dem Jahr 2005 noch sehr stark an Mambo angelehnt war, wurde im Jahr 2008 mit der Version 1.5 die vollständige Trennung vollzogen. Seit Mai 2017 liegt Joomla in der Version 3.7 vor und wird weltweit bei ca. 2,5 Millionen Websites eingesetzt. Seit dem Release gab es bereits die ersten Minor Updates, mit denen unter anderem bestehende Sicherheitslücken geschlossen wurden.

TYPO3 vs. Joomla - die neun wichtigsten Merkmale im sportlichen Vergleich

Um eine Vergleichbarkeit zu erzielen, haben wir die aus unserer Sicht neun wichtigsten Merkmale und Funktionen ausgesucht. Diese beleuchten wir bei den unterschiedlichen CMS. Da wir als Internetagentur Business-Websites erstellen, wollen wir unseren Fokus bei den Vergleichen natürlich auch hierauf legen. Dies ist wichtig zu erwähnen, da eine andere Betrachtungsweise auch andere Ergebnisse bringen kann, denn schließlich haben Vereine und Unternehmen ja auch unterschiedliche Strukturen und Anforderungen.

Hohe Funktionalität out-of-the-box?

Wenn man ein Webprojekt umsetzen möchte, ist es ratsam, im Vorfeld die Anforderungen und Funktionen genau festzuhalten und dann zu schauen, welcher Weg der sinnvollste für ein Projekt ist. Allerdings muss man sagen, dass alle CMS sich hinsichtlich der generellen Möglichkeiten mehr und mehr angleichen. Beispielsweise sind mit WordPress heute genauso Websites umzusetzen, wie Blogs mit TYPO3 oder Communities mit Joomla.

Daher gleicht sich auch die Funktionalität out-of-the-box nach und nach etwas an und kann um zusätzliche Funktionen erweitert werden. Trotzdem gibt es bei unseren beiden Kandidaten Unterschiede:

Joomla bietet in der Basisinstallation nicht den selben Funktionsumfang wie TYPO3, da beispielsweise Multimedia-Elemente erst über entsprechende Erweiterungen eingebunden werden können, Multi-Domain-Systeme nur über Umwege möglich sind und eine Vergabe verschiedener Rechte inklusive Etablierung eines Workflows umständlicher sind.

Das bedeutet den ersten Punkt für TYPO3 in unserem sportlichen Vergleich TYPO3 vs. Joomla.

Erweiterbarkeit der Funktionalität?

Auch eine hohe Funktionalität out-of-the-box ist manchmal nicht genug. Für diesen Fall bieten beide Systeme die Möglichkeit, den Funktionsumfang durch Erweiterungen zu vergrößern. Joomla unterscheidet zwischen fünf verschiedenen Arten von Erweiterungen (Komponenten, Module, Templates, Plugins und Sprachen), während es bei TYPO3 einheitlich Extensions gibt. Sowohl die ca. 6.000 Extensions, als auch die ca. 8.000 Erweiterungen haben unterschiedliche Mächtigkeiten - je nachdem, was sie an Funktion mit sich bringen.

Bei beiden Systemen erfolgt eine Auflistung im Erweiterungskatalog (Joomla) bzw. im Extension Repository (TYPO3) sowie eine direkte Installation aus dem Backend heraus.

Da es bei beiden möglich ist die Funktionalität zu erweitern, erhalten auch beide einen Punkt.

Benötigte Programmierkenntnisse zur Einrichtung?

An dieser Stelle wird zum ersten Mal deutlich, warum wir eingangs unseren Fokus auf Business-Websites gelegt haben. TYPO3 ist ein System für professionelle Websites mit dem praktisch jede Anforderung umgesetzt werden kann - aber nicht ohne entsprechende Kenntnisse. Um eine TYPO3-Installation einzurichten und die Anforderungen, zum Beispiel in Form von Templates, umzusetzen sind neben dem Umgang mit PHP auch Kenntnisse der eigenen Scriptsprache TypoScript nötig. So ist eine Einarbeitung der Entwickler von mehreren Wochen bis Monaten nicht unüblich, bis TYPO3 beherrscht wird.

Joomla ist weltweit das zweit meist genutzte CMS. Dies liegt aus unserer Sicht unter anderem daran, dass es recht leicht installierbar und konfigurierbar sowie ohne Kenntnisse einer speziellen Scriptsprache verwendbar ist. Dies macht es für kleine Unternehmen, gemeinnützige Organisationen, Sportvereine et cetera natürlich sehr interessant. Doch es gibt auch große Websites die hiermit umgesetzt wurden.

Dieser Punkt geht an Joomla - auch wenn es aus unserer Sicht im Business-Bereich stets einen Experten geben sollte, der ein System einrichtet, konfiguriert, wartet und erweitert.

Einfache Bedienbarkeit für Redakteure?

Beide CMS ermöglichen einen strukturierten Überblick über die einzelnen Inhalte einer Website. Während diese bei Joomla innerhalb einer horizontalen Menüleiste geclustert sind, findet sich bei TYPO3 am linken Rand eine Übersicht über die verschiedenen Module sowie ein Verzeichnisbaum zur Gliederung aller Inhalte. Durch die Verzeichnisstruktur ist es möglich auch sehr komplexe Websites oder ein Multi-Domain-System übersichtlich zu strukturieren.

Für die Bearbeitung von Inhalten steht dem Redakteur bei beiden Systemen ein “What you see is what you get”-Editor zur Verfügung. Es sind also keine HTML-Kenntnisse nötig sind, um Inhalte zu erstellen. Bei TYPO3 ist die Anpassung von Inhaltselementen dahingehend möglich, dass Redakteure nur die für sie relevanten Felder sehen und bearbeiten können. Eigene Inhaltsvorlagen sind bei Joomla nur durch Erweiterungen integrierbar. Auch bietet Joomla von Haus aus nur ein großes Editor-Feld für die Erstellung von Inhalten an, was bei komplexeren Formatierungen und Layouts zu Problemen führen kann.

Wenn eine Erweiterung des Funktionsumfangs notwendig wird, sind bei TYPO3 jedoch wie zuvor erwähnt Kenntnisse der in TypoScript nötig. Für uns ist dies jedoch kein Nachteil, denn in der Regel ist der Redakteur einer Website nicht der Betreiber. Dies sollte im unternehmerischen Umfeld durch einen Programmierer oder eine spezialisierte Agentur erfolgen.

Da TypoScript-Kenntnisse aus unserer Sicht keine Anforderungen an einen Redakteur sind: leichter Vorteil für TYPO3.

Frontend-Editing und responsives Backend?

Da inzwischen über zwei Drittel aller Website-Zugriffe von mobilen Endgeräten erfolgen und wir immer häufiger von unterwegs schnell Änderungen vornehmen wollen wurde mit den neuen Versionen der beiden CMS auch der veränderten Nutzungssituation Rechnung getragen. Während eine responsive Ausgabe des Frontends bereits seit längerem zum Standard gehört, wurde dies im Backend zunächst eher stiefmütterlich behandelt.

Inzwischen ist es so, dass eine Inhaltsbearbeitung über mobile Endgeräte möglich, aus unserer Sicht eine Frage der Screengröße ist. Die redaktionelle Pflege einer Website über ein Smartphone wird dabei sicher nicht so leicht von der Hand gehen, wie auf einem Tablet oder einem Desktop-PC. Auch die Anpassung von Inhalten direkt aus der Frontend-Ansicht heraus wurde weiter verbessert, so dass zumindest Dinge wie Textkorrekturen und dergleichen gut machbar sind. Hierfür bedarf es jedoch entsprechender Erweiterungen.

Ob ein Redakteur diese Features nutzt oder nicht, bleibt ihm selbst überlassen. Für unseren Vergleich TYPO3 vs. Joomla heißt es erneut: ein Punkt für beide.

Granulares Rechtevergabe-System?

Nicht immer sollen alle an der redaktionellen Pflege einer Website beteiligten Personen einen Vollzugriff haben oder Inhalte direkt veröffentlichen können. In einem solchen Fall ist ein Rechtevergabe-System notwendig, welches auf möglichst granularer Ebene Anpassungen ermöglicht. Sowohl TYPO3, als auch Joomla, bieten die Möglichkeit redaktionelle Rechte in verschiedenen Stufen einzurichten, bis hin auf einzelne Unterseiten.

Allerdings finden wir, dass die Rechtevergabe, gerade bei etwas komplexeren Installationen, mit TYPO3 angenehmer ist. Hierdurch lässt sich ein entsprechender Workflow besser etablieren.

Insofern geht auch dieser Punkt an TYPO3.

Multi-Domain- und Multi-Lingual-Fähigkeit?

Sowohl TYPO3, als auch Joomla bieten von Haus aus die Unterstützung mehrsprachiger Websites an. Im Backend können Inhalte verschiedener Sprachen sogar parallel eingepflegt werden, was für Redakteure natürlich eine enorme Erleichterung darstellt.

Bei Multi-Domain-Systemen in einem gemeinsamen Backend hat TYPO3 jedoch einen Vorteil: verschiedene Websites werden im Backend über eigene Verzeichnisbäume dargestellt, bei denen eingestellt werden kann, welche Nutzer(gruppen) diese sehen dürfen. Joomla bietet die Möglichkeit zur Erstellung von Verbundsystemen lediglich über installierte Erweiterungen an. Dann allerdings ist es nicht möglich, die Verzeichnisbäume nur für einzelne Nutzer(gruppen) sichtbar zu machen. Joomla kennt also nur “an oder aus”.

Insbesondere bei miteinander verbundenen Unternehmen also ein klarer Vorteil für TYPO3.

Sicherheit des Systemkerns

Eines soll direkt vorneweg gesagt werden: eine hundertprozentige Sicherheit wird es nie geben - egal ob Open Source CMS oder proprietäres System. Aber dennoch sollte ein sicherer Systemkern das Bestreben einer Entwickler-Community sein. Genau dies ist bei beiden CMS der Fall. Sowohl die Joomla- als auch die TYPO3-Community entwickelt den Systemkern kontinuierlich weiter. Es werden regelmäßige Minor Updates bereitgestellt, welche untern anderem Sicherheitslücken schließen und Bugs beheben.

Dies ist auch dringend notwendig, da in der Regel nicht Ihre persönliche Installation, sondern der zentrale Kern gehackt wird, was sich auf alle Websites auswirkt, die diesen nutzt. Eine Website ist aber schlussendlich immer nur so sicher, wie das System aktuell ist. Der überwiegende Teil gehackter Websites liegt in veralteten CMS-Versionen begründet.

Demnach gibt es in dieser Runde einen Punkt für Beide bei TYPO3 vs. Joomla.

Unterstützung bei der Suchmaschinenoptimierung

Eine Business-Website soll natürlich auch von Haus aus bereits die technischen Voraussetzungen für eine OnPage-Optimierung bieten. Punkte wie sprechende URLs, Eingabe von Metadaten etc. sind hierbei enorm wichtig. Joomla hat hier in der Basisinstallation einen kleinen Vorteil vor TYPO3. Beide CMS ermöglichen die Eingabe von Title Tags, Meta Descriptions oder auch alternativen Texten für Bilder. Allerdings sind sprechende URLs die von Mensch und Suchmaschine gleichermaßen verstanden werden bei TYPO3 nur durch eine Extension nutzbar.

Das schöne ist ja, dass dieser “Nachteil” einfach zu beheben ist und kein K.O.-Kriterium darstellt im Vergleich TYPO3 vs. Joomla. Durch andere Erweiterungen lassen sich die Inhalte zudem direkt auf eine Suchmaschinenoptimierung hin überprüfen oder die Ausgabe von Share-Snippets optimieren.

Dennoch: leichter Vorteil und damit Punkt für Joomla.

Gegenüberstellung im sportlichen Vergleich und Fazit von TYPO3 vs. Joomla

Neun mehr oder weniger hart umkämpfte Runden liegen hinter uns und wir haben einen Endstand: TYPO3 schlägt Joomla bei der Erstellung von Business-Websites mit 7 zu 5 Punkten.

Das Endergebnis bei TYPO3 vs. Joomla sieht auf den ersten Blick recht knapp aus, jedoch muss man festhalten, dass TYPO3 bei entscheidenden Punkten, aus unserer Sicht deutlich im Vorteil ist. Punkte wie die Notwendigkeit einer Extension für sprechende URLs sind für uns als Agentur kein wirklicher Nachteil.

Der nächste Artikel unserer Serie ist bereits in Arbeit. Dann schauen wir uns an, wie TYPO3 vs. WordPress im direkten Vergleich abschneiden.

Christian
Christian
Teilen:
  • facebook share icon
  • twitter share icon