Microsoft stellt Browser Spartan vor

Christian
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Im Zuge der Vorstellung des kommenden Windows 10 für Desktop-PCs, Tablets und Smartphones hat Microsoft auch einen ersten Eindruck ihres neuen Browsers gewährt – und damit ist nicht etwa der Internet Explorer 12 gemeint. Bislang hört der komplett neue Browser auf den Projektnamen Spartan. Er soll die hauseigene Lösung des Redmonder Unternehmens wieder konkurrenzfähig zu Chrome & Co machen.

Fortsetzung oder Neuentwicklung?

Spartanisch im ursprünglichen Sinn des Wortes soll Spartan nur auf der Benutzeroberfläche werden: Wer Joe Belfiore bei Microsofts Präsentation genau zugesehen hat, wird ein deutlich entschlacktes Benutzerinterface bemerkt haben. Sehr offensichtlich folgt das Unternehmen derselben Designsprache, welches es mit Windows 8 eingeführt hat und mit Windows 10 fortsetzen wird. Über das Thema „Metro- vs. Aero-Design“ wollen wir uns an dieser Stelle nicht den Kopf zerbrechen, da dies ohnehin fast immer in einem Glaubenskrieg endet. Technisch gesehen basiert Spartan auf einem Fork der inzwischen bekannten Trident-Engine, welcher eine gewisse „Interoperabilität mit dem modernen Web bereitstellen soll“.

(Übrigens: Den Internet Explorer wird es auch in Windows 10 weiterhin geben, um Kompatibilität mit älteren Anwendungen und Technologien wie ActiveX bereitzustellen (welche Spartan nicht unterstützen wird)).

Was kann Spartan?

Abgesehen von den Änderungen an der Benutzeroberfläche, welche in den kommenden Monaten sicherlich noch deutlicher präsentiert werden, hat Microsoft aber vor allem an zwei Baustellen gearbeitet, welche vor allem die Usability betreffen:

Markierungen direkt im Browser

Spartan wird es allen Nutzern erlauben, Anmerkungen und Markierungen direkt auf der Webseite vorzunehmen. In der Praxis sieht das so aus: Möglicherweise gefällt mir ein bestimmter Absatz eines längeren Artikels. Ich kann diesen Artikel dann mit einem Stift (wie er beispielsweise bei mehreren Tablets im Lieferumfang vorhanden ist) oder meinen Fingern einkreisen – oder ich benutze Maus und Tastatur, um den Bereich zu markieren. Anschließend darf ich diesen Ausschnitt der Webseite über eine Leiste, welcher der Charms-Bar unter Windows 8 ähnelt, an meine Kontakte weiterreichen – per E-Mail, Twitter, Facebook oder über zahlreiche andere Dienste. Spartan überträgt dabei jedoch nur statische Inhalte, dynamische Elemente (bewegte Grafiken, Videos) muss der Empfänger dann selbst nachladen.

Leseliste und Lesemodus

Praktisch: Der Anwender darf unter Spartan eine beliebige Menge Links auswählen und diese einer Leseliste hinzufügen. Dies funktionierte unter Windows 8 nur mit einer separaten App. Jene Liste wird automatisch zwischen allen Geräten des Anwenders mit installiertem Windows 10 synchronisiert (sofern ein Microsoft-Konto vorliegt) und kann – was gerade für Reisende ein unschätzbarer Vorteil sein kann – auch offline eingesehen werden, da Spartan Webseiten auf Wunsch auch komplett speichert. Mit dem Lesemodus, wie er aus dem Internet Explorer 11 bereits bekannt ist, kann eine Seite hingegen „werbebereinigt“ angesehen werden, was gerade bei längeren Artikeln hilfreich ist.

Stimmen und Erweiterungen

Eines der Features, welches insbesondere erfahrene Anwender immer wieder gerne von der Nutzung des Internet Explorers abhält, ist die fehlende Unterstützung für Erweiterungen, wie sie Chrome, Opera, Firefox und Safari seit vielen, vielen Jahren anbietet. Spartan zieht einen Schlussstrich unter dieses kundenfeindliche Verhalten und erlaubt es, Erweiterungen einzubinden und damit den Browser (hoffentlich) weitgehend den eigenen Vorstellungen anzupassen. Da es sich um einen Trident-Browser handelt (und nicht beispielsweise WebKit, wie es von Chrome oder auch Opera genutzt wird), ist es unwahrscheinlich, dass bestehende Erweiterungen für andere Browser auch in Spartan genutzt werden können.

Als mindestens ebenso wichtig sieht Microsoft die Integration des eigenen Sprachdienstes Cortana an. Die auf Smartphones mit Windows Phone bereits erhältliche Sprachsteuerung wird in Windows 10 als eines der wichtigsten Features angepriesen und wird auch in Spartan eine (je nach Nutzer) große Rolle spielen. Cortana bietet neben der offensichtlichen Möglichkeit, eine Suche nach Begriffen nur durch die Stimme durchzuführen, auch sehr personalisierte Such- und Webseitenempfehlungen. Microsoft hat die Zeichen der Zeit erkannt und dafür gesorgt, dass Cortana jedoch auch abgeschaltet werden kann, so dass das Programm keine personalisierten Daten sammelt.

Auf Augenhöhe?

Microsoft scheint mit Spartan den richtigen Weg einzuschlagen und diejenigen Features zu integrieren, welche die Befürworter des IE eigentlich schon längst verlangt haben und welche unter Chrome & Co. zum Standard gehören. Kleine „Dreingaben“ wie nativer Support für PDF-Dateien (sind die Tage des Adobe Readers für Privatanwender gezählt?) setzen dem Browser noch die Krone auf. Aber: Wie immer bleibt abzuwarten, wie sich eine technische Neuentwicklung in der Praxis schlägt. Hinsichtlich Usability, Interface und Unterstützung für neue Technologien scheint Microsoft mit Spartan jedoch einen großen Schritt nach vorne gemacht zu haben.

Christian
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